Dienstag, 10. Mai 2011
"Last Exile"- Anime der Extraklasse
Ich muss sagen, nur wenige Anime haben mir so gefallen wie "Last Exile". Der Anime gehört zum Steampunk-Genre, soll heißen: Er spielt in einer Welt, in der die Dampfkraft (engl. steam=Dampf) eine viel größere Rolle spielt als in unserer, und das ist auch das Hauptmerkmal des Genres. In "Last Exile" merkt man das nicht so extrem, aber die Welt dort ist gehalten im 19.-Jahrhundert-Flair.
So, nun zur Hauptfrage: Worum geht es in "Last Exile"?
Hier eine kurze Zusammenfassung: Claus Valca und Lavie Head sind Piloten eines Vanships, einer Art Flugzeug. Mit diesem Vanship erledigen sie nicht nur ihre Kurierjobs, nein, dieses Flugzeug gehörte auch noch ihren Vätern, die es gemeinsam gesteuert hatten, als Pilot und Navigator. Die beiden sind auch in den geheimnisumwitterten Großen Strom geflogen, was vor ihnen kaum einer geschafft hatte.
Genau dieses Ziel haben auch Claus und Lavie. Doch sie rechnen nicht mit den Geschehnissen, die nun auf sie zukommen. Zuerst überbringen sie dem legendären Admiral David Mad-Thane eine Nachricht, mitten in einer Schlacht, dann finden sie das seltsame kleine Mädchen Alvis, das zu einem Kapitän namens Alex Row gebracht werden muss. Kurz nachdem dies passiert ist, werden sie von einem sternförmigen Luftschiff verfolgt, das anscheinend hinter Alvis her ist. Es gelingt ihnen zu fliehen und Alvis bei Alex Row abzuliefern. Doch dann entschließt sich Claus, zur Sicherheit auf Rows Schiff, der "Silverna", zu bleiben, um zu sehen, ob es Alvis dort wirklich gut geht...
(*SPOILERGRENZE*: Lest ab hier nur weiter, wenn ihr wirklich mehr erfahren wollt!)
So, das war der Plot in groben Zügen. Last Exile profitiert nämlich davon, dass es Informationen erst Stück für Stück preisgibt. Man erfährt z.B. von dem Krieg zwischen den Nationen Dysis und Anathoray, weiß aber nicht, warum er stattfindet. Man erfährt von einer mysteriösen Gilde, die in den Schlachten anscheinend als Schiedsrichter dient und die Dauer einer Schlacht genau festlegt. Die Gilde bestimmt auch, wann genau man angreifen darf, wann die Gewehrschützen und wann die Luftschiffkanonen dran sind. Und die Luftschiffe der Gilde sind ungleich eleganter als die Schiffe der beiden Nationen.
Aber warum lassen es sich Dysis und Anathoray gefallen, dass ihnen irgendeine Gilde auf der Nase rumtanzt und den Schiedsrichter spielt? Nun, die Gilde ist auch viel weiter fortgeschritten in der Technologie. Von ihr auch stammen ALLE Antriebseinheiten der Luftschiffe, und niemand kann diese Einheiten nachbauen.
Drei wichtige Personen der Gilde sind Dio, Lucciola und Maestro Delphine.
Dio und Lucciola haben ihren ersten Auftritt bei einem Schachspiel, bei dem sie sich über die gerade laufende Schlacht unterhalten. Als Dio Claus' gewagte Luftmanöver sieht, beschließt er, bei der Luftschlacht mitzumischen, gemeinsam mit seinem Kumpanen Lucciola. Von da an spielen die beiden eine immer wichtigere Rolle, und erst Stück für Stück wird aufgedeckt, wer die beiden eigentlich sind.
Die dritte Person, Maestro Delphine, ist das Oberhaupt der Gilde. Wenn man sie zum ersten Mal sieht, muss man unweigerlich an Lady Gaga denken: Platinblondes Haar, schräger Anzug, hellroter Eyeliner, blasse Haut. Delphine selbst ist vielleicht nicht SCHÖN, aber dafür hat sie das schönste und seltsamste Luftschiff im ganzen Anime, und das soll schon was heißen. Delphine unterstützt den Krieg zwischen Dysis und Anathoray- sowohl weil sie davon profitiert, als auch, weil es ihr Spaß macht, zuzusehen. Denn Delphine ist eine ziemliche Sadistin, die sogar ihren eigenen Bruder foltern würde. Moment, Bruder? Nein, wer der ist, werde ich noch nicht verraten, lasst euch überraschen.
Alex Row, der Kapitän der "Silverna", hasst Delphine, anscheinend aus persönlichen Gründen. Aus welchen? Das erfährt man erst spät, und das ist gut, sonst wär es ja langweilig.
Wie auch immer, "Last Exile" hat SEHR interessante Charaktere- nur leider sind die Hauptpersonen saulangweilig. Claus erscheint ziemlich, na ja, lahmarschig, und außer seinem Ziel, einmal im großen Strom zu fliegen, scheint er keine Ambitionen zu haben. Lavie ist interessanter- obwohl sie im Laufe der Story (leider) immer mehr verweichlicht. Am Anfang ist sie ja noch ein toughes Girl, aber dann mutiert sie zur Heulsuse und...Wie auch immer. Auch Alvis flennt regelmäßig, was vielleicht okay ist bei einem kleinen Mädchen- aber die deutsche Synchronisation hat ihr eine miese, nervige Piepsstimme verpasst. Claus' Stimme ist da auch nicht viel besser.
Wie kann es sein, dass bei einem Anime mit einer so großartigen Story die Hauptpersonen die langweiligsten sind? Jeder Nebencharakter erweist sich als schillernder, facettenreicher, ausgestattet mit einer ungewöhnlichen Vergangenheit...
Und was ist mit Claus und Lavie? Nun, sie wollen in den Großen Strom. Mit dem Vanship ihrer Väter. Eine ziemlich langweilige Motivation für den ganzen Plot.

Also, vier Sterne von fünf für "Last Exile", weil 1) die Synchro der Hauptpersonen nervt und 2) die Hauptpersonen wie gesagt stinklangweilig sind. Trotzdem sehr (!) sehenswert, vor allem, weil die Animation der Luftschlachten 3D und einfach spektakulär ist.

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